Orte der Verdrängung im Klausenerplatz-Kiez

Ankündigung des KiezspaziergangsBereits in den 1970er Jahren lockte der, von Zerstörungen im Krieg ziemlich verschonte, Klausenerplatz-Kiez in Charlottenburg Begehrlichkeiten an und es war kein Zufall, dass sich dort eines der ersten besetzten Häuser in Westberlin befand. Da ein bedeutender Teil der Gebäude im Besitz landeseigener Wohnungsbaugesellschaften war, konnte später Schlimmeres vermieden werden und das Viertel behielt weitgehend seinen Charakter mit zahlreichen kleinen Geschäften, selbstorganisierten Projekten, Gastronomie, Kultur und einer vielfältig gemischten Bevölkerung.

Mit den Privatisierungen im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts geriet dies alles erneut in Gefahr. Manches Gebäude wurde mehrfach verkauft und zum Spekulationsobjekt. Mieterinnen und Mieter wurden ebenso verdrängt wie Kleingewerbe, soziale Projekte und Kulturangebote. Energetische Sanierungen,  Umwandlung in Eigentum und drastische Mieterhöhungen bedrohen die in Jahrzehnten gewachsene Nachbarschaft.

Auch heute noch, bzw. wieder, wollen sich dies die Menschen im Kiez nicht einfach gefallen lassen und setzen sich für den Erhalt ihres Viertels ein. Unter anderem fordern sie Milieuschutz [1] für das Gebiet zwischen Spandauer Damm, Sophie-Charlotten-Straße, Kaiserdamm und Schlossstraße. Dieser stellt zwar nur den sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Stein dar, aber so lange die entsprechenden Bundesgesetze nicht mehr anbieten und der Berliner Senat bei der Ausreizung eventueller Möglichkeiten eher zaghaft vorgeht, ist er als erster Schritt zu sehen und besser als nichts.

Um anhand akuter Fälle die Dringlichkeit aufzuzeigen, veranstaltete heute die MieterWerkStadt Charlottenburg [2] einen Kiezspaziergang zu Orten der Verdrängung im nördlichen Klausenerplatz-Kiez. Dabei schilderten Anwohner und Anwohnerinnen die Lage oder berichteten von bereits erfolgten Verdrängungen wie beispielsweise der Freien Theater Anstalten am Klausener Platz oder der Veranstaltungsorte in der ehemaligen Charlottenburger Brauerei [3].

Der Klausenerplatz-Kiez ist nicht das einzige Gebiet im Bezirk, TAfel mit der Forderung "Milieuschutz jetzt!"das in seiner sozialen Zusammensetzung bedroht ist, aber besonders hier möchten die Menschen nicht das traurige Schicksal des, nach der Vereinigung gentrifizierten, Prenzlauer Bergs über sich ergehen lassen. Gemeinsam fordern sie von Bezirksverordnetenversammlung und Bezirksamt, bevor es womöglich zu spät ist, „Milieuschutz jetzt!“ und dabei haben sie jede Unterstützung verdient.

[1] Wikipedia-Artikel „Erhaltungssatzung“
[2] MieterWerkStadt Charlottenburg
[3] Fotos mit Einzelbeschreibungen (Facebook)

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