Nicht noch einmal wie vor 80 Jahren!

Heute vor 80 Jahren brannten – auch in unserem Bezirk – nicht nur Synagogen. Auch Geschäfte wurden zerstört und geplündert sowie Menschen gedemütigt, geschlagen und getötet. Marodierende Horden zogen durch die Stadt und konnten, nur in wenigen Fällen von mutigen und ehrenhaften Menschen gestört, ihr Unwesen treiben. Und weil es ihnen so leicht gemacht wurde, konnten sie und ihre damalige Regierung nach und nach die nächsten Schritte in ihren bösartigen Plänen in Angriff zu nehmen. Wie es endete, wissen wir und so manche Gedenkveranstaltung findet folglich in diesen Tagen statt.

Erinnerungstafel an die Synagoge BehaimstraßeIn der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 fand eine, in Deutschland bis dahin wahrscheinlich nur von Wenigen für möglich gehaltene, Hetzjagd auf jüdische Menschen und deren Einrichtungen statt. Allerdings hatte auch diese bereits ein Vorspiel, indem einerseits viele derjenigen, die sich hätten widersetzen können und wollen, schon verhaftet, ermordet oder in die Emigration getrieben worden waren. Dazu kam massive Propaganda in Form von etwas, das heute als Fake-News bezeichnet wird. Keine Verleumdung schien zu schäbig, keine noch so abstruse Falschmeldung zu fantastisch, dass nicht ausreichend Leute, die ihre vorhandenen Vorurteile bestätigt meinten, diese zu glauben bereit waren.

Ähnliches erleben wir auch zurzeit: neben gewissen etablierten Medien, die es seit Jahrzehnten mit der Wahrheit nicht immer so genau nehmen, leben allerlei selbsternannte Newsportale und in deren Gefolge Blogger davon, Angst und Schrecken zu verbreiten und dabei ganze Gruppen von Minderheiten zu verleumden. Unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit wird gelogen, gefälscht und gehetzt, was das Netz hergibt und nicht nur Leichtgläubige und ohnehin Sensationslüsterne fallen darauf herein und verbreiten diese Bösartigkeiten massenhaft über die Social Media. Viel bedenklicher ist es jedoch, wenn inzwischen auch im Bundestag Abgeordnete sitzen, die dieses Treiben unterstützen und auch Mitglieder bislang demokratischer Parteien „anstecken“ und insgesamt das Klima in der Gesellschaft vergiften.

Kerzen vor der ehemaligen Synagoge Behaimstraße„Wehret den Anfängen!“ heißt es in diesen Tagen öfter und dabei sind wir tatsächlich gefordert, wenn wir nicht wieder Ähnliches wie vor 80 Jahren miterleben möchten. Von alleine wird es nicht besser. Demonstrationen sind ein Weg, ein anderer ist es, sich Gerüchten, Falschmeldungen sowie Hetzportalen, wie es zuletzt unsere Piraten aus Baden-Württemberg getan haben, entgegenzustellen. Keinen Fussbreit dem Menschenhass, weder auf der Straße, noch im Internet!

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