Das Ende des Ersten Weltkriegs war nur ein Anfang

Der Weg in den Krieg

Die allgemeine Wehrpflicht wurde zunächst in Preußen 1813/14 als Reaktion auf die Niederlage gegen Frankreich in den napoleonischen Kriegen eingeführt und am 9. November 1867 durch den Norddeutschen Bund übernommen. Die allgemeine Wehrpflicht war sowohl in Deutschland als auch anderswo ein wirksames Mittel zur Militarisierung der Gesellschaft.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Macht der organisierten Religion über die Menschen im Schwinden und die Nation bot sich für kollektives Anlehnungsbedürfnis an. Nationen wollten dann ihre Macht und ihren Wert aber vor allem im Kampf gegen andere Nationen messen. Ein Hauptauslöser des ersten Weltkriegs war die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie anläßlich eines Besuchs in Sarajewo am 28. Juni 1914. Am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg.

Der Weg zum Waffenstillstand

Das Waffenstillstandsangebot der deutschen Regierung erging an Präsident Woodrow Wilson am 3./4. 10.1918. Grundlage war der von Wilson vorgelegte 14 Punkte  Plan. Am 24.10.1918 kam es zur Meuterei der deutschen Hochseeflotte in Wilhelmshaven sowie zur Bildung von Arbeiter-und Soldatenräten. Am 9.11.1918 war die Bekanntgabe des Thronverzichts Wilhelm II. und des Kronprinzen, die Ausfrufung der Republik durch den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann (1865-1939) sowie die Übertragung der Regierungsgeschäfte an den SPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert.

Am 10.11.1918 geht Wilhelm II. ins holländische Exil. Eine neue Regierung wird gebildet, der „Rat der Volksbeauftragten“.[1] Es bildet sich aber auch ein „Vollzugsrat der Arbeiter-und Soldatenräte“. Am 11.11.1918 wird der Waffenstillstand auf Basis der 14 Punkte vereinbart. Sie beinhalten u.a.die Abschaffung der Geheimdiplomatie, die Freiheit der Meere, Freiheit der Weltwirtschaft, Rüstungsbeschränkung, Regelung der kolonialen Ansprüche, die Räumung der besetzen Westgebiete und des Linken Rheinufers; Aufhebung der Friedensschlüsse von Brest-Litowsk und Bukarest. Auslieferung u.a. des schweren Kriegsmaterials und der U-Boote.

 

Das Ende des Kaiserreichs und der Beginn der Weimarer Republik

Der Sturz der Demokratie machte den Weg frei für entscheidende individuelle und soziale Grundrechte wie das Frauenwahlrecht[2] und die Meinungsfreiheit, beides wurde in der Weimarer Verfassung von 1919 verankert.

Wie sah die Weimarer Verfassung aus? An der Spitze stand der vom Volk gewählte Reichspräsident; das Parlament besteht aus dem vom Volk gewählten Reichstag und der Ländervertretung, dem Reichsrat. Der Einfluss des Parlaments ist gegenüber dem des Kaiserreichs stark erweitert, aber auch der Reichspräsident erhält mit dem Artikel 48 (Notstandsartikel) eine sehr große Machtfülle. Das Verhältniswahlrecht (ohne Prozenthürde)  führt zur Zersplitterung der Parteien, es gibt Plebiszite, Notstandsartikel und Eindämmung des Föderalismus erweisen sich als starke Belastungen.

Vor allem SPD und Zentrum sowie die gemäßigten bürgerlichen Parteien stehen zur Republik,dauernde Angriffe der oppositionellen Kräfte schwächen aber die „Weimarer Koalition“ aus Zentrum, SPD und DDP. Kritisiert wird hauptsächlich die „Erfüllungspolitik“, eine Folge der aus dem Versailler Vertrag erwachsenen Verpflichtungen wie z.B. Reparationsleistungen, Annahme des Londoner Ultimatums von 1921, die Gebietsverluste (Nordschleswig fällt nach Abstimmung an Dänemark, Eupen und Malmedie gehen 1920 an Belgien) und die Festlegung der deutsch-polnischen Grenze 1921.

 

Anfang und Ende

1914 waren große brachliegende Energien frei gesetzt worden. Zwischen 1914 und 1918 wurden in den dynastisch regierten Staaten Europas reihenweise führende Adels-und Königsfamilien ihrer Stellung beraubt – Berufsoffiziere überlebten aber diese Umstürze und stellten ihr Können nachfolgenden Staaten zur Verfügung. Die Revolution von 1918/19 schuf eine zutiefst gespaltene Gesellschaft. Straßenkämpfe forderten zahlreiche Tote. Es gab eine Eskalation von Gewalt und politischem Mord (z.B. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. Januar 1919) sowie eine große Militarisierung der Zivilgesellschaft.

Der Radikalismus enttäuschter Rechter, die sich auf die „Dolchstoßlegende“[3] berufen, äußert sich auch durch weitere politische Morde wie an Kurt Eisner (1867-1919), Matthias Erzberger ( 1875-1921) und Außenminister Walter Rathenau (1867-1922) nach dessen Tod die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz der Republik erlassen wird (1922) sowie in Putschversuchen (Kapp-Putsch, 1920),[4] Putsch der „Schwarzen Reichswehr“ in Küstrin 1923. 1923 marschieren französische und belgische Truppen ins Ruhrgebiet ein und es gibt die Besetzung des Memellandes durch Litauen.

Als größte Belastung erweist sich jedoch der nicht erfolgte Elitenaustausch. Das national gesinnte Bürgertum und die „unpolitische Reichswehr“ [Chef der Heeresleitung war von 1920-1926 Hans von Seeckt(1866-1936)][5] stehen der Republik ebenso ablehnend gegenüber wie extreme Rechte und Linke; es gab kommunistische Unruhen u.a. im Ruhrgebiet und in Hamburg. Das Ende des Ersten Weltkriegs und die Gründung der ersten parlamentarischen Republik waren weniger ein Durchbruch, wie  Bundespräsident Steinmeyer formuliert, sondern eher ein Aufbruch, der bereits 20 Jahre später, am 9. November 1938 durch die Judenpogrome nachhaltig zerstört wurde. Sowohl der 11.11. als auch der 9.11. stehen eher für Ambivalenz und Widerspruch der deutschen Geschichte, wie es der Bundestagspräsident formuliert. Der Kreis schließt sich erst am 9. November 1989, der mit einer friedlichen Revolution begann und einen kompletten Umbruch einleitete, vor allem für die Bewohner der ehemaligen DDR.

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Rat_der_Volksbeauftragten

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenwahlrecht_in_Europa

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Dolchsto%C3%9Flegende

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Kapp-Putsch

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_von_Seeckt

 

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