Ende der Steinkohle – ungewisse Zukunft?

Zeche Zollverein, Förderturm

Ende Februar 1958 legten Bergleute auf Zechen in Essen und Umgebung die erste „Feierschicht“ der noch nicht ganz 10 Jahre alten Bundesrepublik ein. Am 21.12.2018 wurde die Steinkohleförderung beendet.

Die Krise 1959 kam überraschend, denn in den Jahren zuvor war der Bedarf an Kohle noch so groß, dass sie aus den U.S.A. importiert werden mußte. Seit Mitte der 50er Jahre wurden im Ruhrgebiet Gastarbeiter angeworben um speziell den Arbeitskräftemangel im Bergbau auszugleichen. Zusätzlich wird der Bau von Wohnungen und Häusern in Zechennähe unterstützt; es gibt Lohnerhöhungen von 10% obwohl der Produktivitätsfortschritt bei knapp 2% liegt.

Die Gründe für den Niedergang sind bekannt: preiswertere Importkohle, Öl, vor allem Heizöl verdrängt die heimische Steinkohle. Aber auch die Erhöhung des Kohlepreises 1957 gegen den Willen Ludwig Erhards, der den Energiemarkt liberalisieren möchte.

Die Kohle verlor an Wettbewerbsfähigkeit und die Kumpel demonstrieren. Um eine Krise im Ruhrgebiet (Erhard: das “Ruhrgebiet könnte in politischen Flammen aufgehen”) zu vermeiden, wird im September 1959 eine Ölsteuer von 30 Mark pro Tonne erhoben. Diese Sondersteuer hilft nicht der Steinkohle und der Strukturkrise im Bergbau; immer mehr Zechen werden stillgelegt auch wenn es Mitte der 60er Jahre gelingt, keinen Bergmann ins “Bergfreie” fallen zu lassen. Dies geschieht erst mit der ersten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik Ende der 60er Jahre. Mittlerweile (ab 1966) heißt der Wirtschaftsminister Schiller und kopiert trotzdem seinen Vorgänger Erhard: Er startet die ‚konzertierte Aktion Kohle‘, die u.a. zur Gründung der Ruhrkohle AG führt und den Bergbau neu strukturieren soll.

Während es damals die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit war, ist das beabsichtigte Förderende für die Braunkohle eher auf die mangelnde Umweltfreundlichkeit zurückzuführen. Die großzügigen Ruhestandsregelungen, die auch teilweise im Stahlbereich zur Anwendung kamen, haben seinerzeit sicherlich dazu beigetragen, dass es keine Proteste gab. Die Erfahrung im Ruhrgebiet lehrt aber auch, dass eine 1:1 Schaffung neuer Arbeitsplätze nicht möglich ist. Hier ist es sicherlich hilfreich, wenn Universitäten vorhanden sind – wie in Dortmund, wo die letzte Zeche 1987 schloß.

Es mangelt nicht an Arbeit, wie die aktuelle Debatte um die Situation in der Altenpflege zeigt. Es fehlt aber immer noch an Diskussionen, die im Zusammenhang mit dem sozialen Wandel eine gesellschaftliche Aufwertung und höheres Sozialprestige von ortsnahen Dienstleistern wie Altenpflegern, Erziehern, Handwerkern thematisieren. Die Debatte über unterschiedliche Arten von Grundeinkommen zeigt hier erste zaghafte Ansätze. Piraten befürworten ein bedingungsloses Grundeinkommen da es eine überzeugende Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft bedeutet und eine realistische Antwort auf die Entkoppelung von Produktivität und Arbeit bedeutet und nicht den Eindruck zu erwecken, ein Teil der Bewohner des Hauses Bundesrepublik befindet über den Um-Aus-und Weiterbau des Hauses, während der andere froh sein darf darin zu wohnen.

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