Mai 14

„Per scientiam ad iustitiam“

Das Motto von Dr. Magnus Hirschfeld steht auch auf seinem Grabstein in Nizza. Es bedeutet „durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit“. Beides wurde in seinen späteren Lebensjahren, gerade in Deutschland, mehr als vernachlässigt. Von Pseudowissenschaften verschiedener Art unterstützt, bastelten sich nach dem ersten Weltkrieg die Nationalsozialisten ihr menschenfeindliches Weltbild, dem in der Folge viele Millionen zum Opfer fallen sollten – auch Dr. Hirschfeld.

Nur Wenige hatten sich bis dahin mit dem Thema Sexualität – und insbesoMagnus-Hirschfeld-Stelendere Homosexualität – wissenschaftlich auseinandergesetzt, als der später international renommierte Arzt im Jahre 1896 die Schrift „Sappho und Sokrates oder Wie erklärt sich die Liebe der Männer und Frauen zu Personen des eigenen Geschlechts? veröffentlichte. Er war gerade in die Stadt Charlottenburg, in die heutige Otto-Suhr-Allee, gezogen, wo er bis 1910 lebte. Hier gründete er das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee, die weltweit erste Organisation mit dem Ziel, sexuelle Handlungen zwischen Männern zu entkriminalisieren, was schließlich in der Bundesrepublik Deutschland erst 1994 erfolgte. Frauen wurden vom Gesetz hier offensichtlich nicht als wichtig betrachtet.

Wie in zahlreichen Ländern heute noch, umgab, vor allem männliche, Homosexualität Ende des 19. Jahrhunderts ein Nebel von Unverständnis, Gerüchten, Aberglauben sowie Vorurteilen und daraus folgten Ablehnung bis hin zur Gewalt. Was als Sünde, Laster oder Geisteskrankheit und als widernatürlich galt, sollte zum Verschwinden gebracht werden.

Den Pionieren der Sexualwissenschaft – Dr. Hirschfeld ist wohl der bekannteste – ist es zu danken, dass der Nebel gelichtet wurde und die Unkenntnis über ganz natürliche Dinge nach und nach beseitigt werden konnte. Dies gelang und gelingt nur mit den Mitteln der Naturwissenschaften, Forschung und ständiger Überprüfung der jeweiligen Erkenntnisse. Wer diese ignoriert oder als Glauben abwertet, zeigt sich nicht nur als ewig-gestrig, sondern beschwört auch Unheil herauf. Dies gilt für diejenigen, die beispielsweise den Klimawandel als Gerücht abtun, genauso wie für jene, die vor hundert Jahren die Forschungen Dr. Hirschfelds aus ideologischen Gründen derart ablehnten, dass sie ihn zum Ziel von Hetzkampagnen und körperlichen Angriffen machten und bereits 1931 ins Exil trieben.

Als die NatBlumen für Dr. Hirschfeldionalsozialisten sein Institut für Sexualwissenschaft und seine Aufzeichnungen zerstörten, schien seine Arbeit in Deutschland vergeblich gewesen zu sein. Magnus Hirschfeld hat es selbst nicht mehr erlebt, aber sowohl seine Arbeiten wie auch sein daraus folgender Einsatz für die Rechte von Menschen, deren Sexualität nicht den als üblich angesehenen Normen entspricht, setzen sich mehr und mehr durch und haben Andere zu weiterer Forschung sowie zum Engagement gegen Diskriminierung und Gewalt, für Gleichstellung inspiriert. Dafür danken wir ihm.

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2 Kommentare

    • Martina Schröder on Mai 15, 2017 at 20:47
    • Antworten

    Der Satz: „Transfrauen machen alles kaputt, was die Frauenbewegung bisher aufgebaut hat.“, kommt Dir bekannt vor, Marlene?

  1. Deinen Einwurf verstehe ich nicht, Martina

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