Zur Erinnerung an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg

99 Jahre ist es heute her, dass Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von einer selbst ernannten Wilmersdorfer Bürgerwehr aus dem Haus Mannheimer Straße 27 geholt, erst in die Cäcilienschule am Nikolsburger Platz und später am Tag ins damalige Hotel Eden in der Budapester Straße verschleppt wurden. Dort wurden sie misshandelt und anschließend auf dem Weg in den Tiergarten ermordet, woran die beiden Denkmäler am Kanalufer und im Park erinnern.

Warum denken wir, nach so langer Zeit, immer noch an die beiden Personen? Viele ihrer Äußerungen mögen uns heute befremdlich erscheinen und ihre Sprache in Teilen etwas unverständlich, haben sich doch etliche Begriffe inzwischen in ihrer Bedeutung gewandelt oder in der Vergangenheit missbraucht. Nun können wir auf rund 100 Jahre zusätzliche Erfahrung zurückblicken, manches anders beurteilen und niemand weiß mit annähernder Sicherheit, was Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg 2018 sagen und tun würden. Forderungen nach einer Gesellschaftsentwicklung hin zum Humanismus, nach Selbstorganisation, Verteilungsgerechtigkeit, Aufhebung von Lohnarbeit sowie einer „sozialistischen Demokratie“ – so hieß das damals – unter Beteiligung möglichst Aller und die Betonung demokratischer Eigeninitiative sind nach wie vor zeitgemäß. Vieles in Parteien, die sich gerne gelegentlich auf sie berufen, würde ihnen folglich kaum gefallen.

In Zeiten, in denen „Säbel rasseln“ international wieder zur akzeptablen Umgangsform zu werden droht und gleichzeitig eine schleichende Ausweitung der Militär-Kompetenzen im Land möglich scheint sowie eine Aufrüstung der Polizei, sei es an Material oder durch eine Ausweitung der ohnehin schon fortgeschrittenen Überwachungsmöglichkeiten stattfindet, sind Rosa Luxemburg und hier insbesondere Karl Liebknecht mit ihrer antimilitaristischen Haltung aktuell. Dafür nahmen sie persönliche Konsequenzen, wie auch Gefängnis in Kauf.
Während 1914 Gewerkschaften wie auch SPD den Kriegseintritt des Deutschen Reiches unterstützten, ordnete sich Karl Liebknecht im Reichstag dem (vermeintlichen) Fraktionszwang nicht unter und sprach frühzeitig über, nicht nur ihm bekannte, Kriegsgräuel deutscher Truppen und die Verbrechen des verbündeten Osmanischen Reichs an den Armeniern.

Am Ende wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in einer gewalttätigen Zeit ums Leben gebracht. Sie zu Objekten der Verehrung erstaren zu lassen, wird ihnen nicht gerecht und sie hätten es vermutlich gar nicht gewollt. Sie haben es aber auch nicht verdient, vergessen zu werden.

 

Gedenktafel in der Mannheimer Straße

Gedenktafel vor dem Haus Mannheimer Straße 27

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