Feb 04

Warum denken wir heute an Otto Grüneberg?

Heute erinnern sich, partei- und initiativenübergreifend, wie jedes Jahr Menschen an Otto Grüneberg, der viel zu jung, mit 23 Jahren, das Opfer von Verbrechern wurde.Plakat zur Otto-Grüneberg-Ehrung 2018 mit Foto

Dabei wollte er eigentlich nur eine bessere Welt, in der Alle gut zusammenleben können und bemühte sich dafür.
Es war eine schwere Zeit, gerade für die Leute in seinem Kiez, um den Klausenerplatz und die Zillestrasse: Arbeitslosigkeit, Armut, schreckliche Wohnverhältnisse, Spekulation, Gewalt …. Viele sind damals verzweifelt. Nicht so Otto Grüneberg. Anstatt zu resignieren, auf die da oben zu warten oder sich nur um sein eigenes Fortkommen zu kümmern, setzte er sich ein:
im Sportverein,
in einer Partei,
in der Roten Hilfe, sei es für Kriegsopfer, wie für politisch Verfolgte,
in der Internationalen Arbeiterhilfe, für Arme im In- und Ausland,
und
in den Häuserschutzstaffeln, die sich auch gegen Zwangsräumungen engagierten – wie es in diesen Tagen in unserer Stadt wieder notwendig zu werden scheint.

Und er wehrte sich gegen den aufkommenden Faschismus, der sich in jenen Jahren mit Menschenhass und Gewalt breit machte. Da brauchte es Mut und den hatte Otto Grüneberg. Wahrscheinlich war ihm nicht wohl dabei, öffentlich vor Gericht gegen Nazis auszusagen. Er hatte sogar Drohungen deshalb bekommen – und wollte es trotzdem tun, weil es wichtig und richtig war, sich Gewalttätern in den Weg zu stellen. Dafür wurde er am Ende als eines der ersten Opfer von Mitgliedern des Charlottenburger SA-Sturms 33 am 1. Februar 1931 vor seinem Haus in der Schlossstrasse 22 erschossen.

Damals fing Faschismus nicht erst an, als tatsächlich Horden mit menschenverachtenden Parolen und gewaltbereit durch die Strassen zogen. So etwas wächst nicht plötzlich aus dem Boden. Das war auch vor bald 100 Jahren nicht der Fall.
Vorher schleicht sich diese Menschenverachtung in die Gehirne. Am Anfang noch ziemlich unauffällig. Doch schon dann gilt:
Nicht glauben, wenn erzählt wird, es gäbe nützlichere und bedeutungslose Menschen!
Nichts glauben, was mit „Die Ausländer“, „Die Schwulen“, „Die Alten“, „Die Was-auch-immer“ beginnt!
Auch nicht glauben, wenn irgendjemand Menschen als Kostenfaktoren oder Belastung bezeichnet!
Und erst recht nicht glauben, wenn es heißt, es gäbe keine Alternative!
Statt dessen: Sich informieren! Nachfragen! Sich nicht von Scharlatanen in die Irre führen lassen! Aufmerksam sein und widersprechen! Bitte! Ganz besonders dann, wenn es irgendwo um „die“ und „wir“ geht. (Das darf – eventuell – 90 Minuten lang bei einem Fussballspiel eine Rolle spielen, sonst aber nie und nirgendwo!)

Es ist inzwischen hinreichend bekannt, dass unser aller Ur-ur-ur-ur-usw.-Großeltern vor rund 2,5 Millionen Jahren in Ostafrika von einem Baum gestiegen sind. Unser aller. Niemand ist da eine Ausnahme! Deshalb haben auch wirklich alle Menschen – manche sind sympathisch, manche weniger – die selben Rechte und alle sind gleich viel wert. Etwas anderes zu behaupten, ist völliger Unfug und dazu noch bösartig.
Leider wird dieser Blödsinn vielerorts tagtäglich verbreitet. Und er ist so gefährlich. Er kostet Menschenleben, sei es das Tausender Flüchtender an den Außengrenzen unserer EU, sei es das Hunderter Opfer rechter Gewalt in den letzten Jahrzehnten und sei es das von Otto Grüneberg und vieler anderer, die sich Ungerechtigkeit und Menschenverachtung entgegengestellt haben.

Sich im Jahr 2018 feierlich an Otto Grüneberg zu erinnern, ist eine schöne Sache. Um ihn wirklich zu ehren, reicht das aber nicht. Da geht es darum, sein Erbe weiterzutragen, an jedem Tag des Jahres. Das bedeutet Einsatz für Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden und gegen jede Form der Menschenverachtung. Das heisst auch: offen und jederzeit als Person, auch wenn es unbequem sein mag, für eine Gesellschaft für alle Menschen einzutreten.

Auch wir werden nicht resignieren und Otto Grüneberg soll nicht umsonst gestorben sein.

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